Zur Mitarbeit gezwungen – Die Rolle des Judenältesten

Von Melissa Neumann (Heinrich-Böll-Gymnasium Ludwigshafen am Rhein, LK Deutsch)

Ab 1933 bauten die Nationalsozialisten überall Konzentrationslager, widerwärtige Einrichtungen, um Juden, egal welchen Geschlechts oder Alters, zu Zwangsarbeiten heranzuziehen und im Endeffekt umzubringen. Bis heute, und das ist auch gut so, sind die Gräueltaten der Nazis nicht vergessen, die auf ekelhafte Weise Menschen auf Grund ihrer Religion töteten. Aber auch bei der Verwaltung der KZs und Ghettos verfolgten die Nazis perfide Pläne, so gab es ab dem 21. September 1939 den sogenannten Judenrat und Judenältesten, zwangsernannt von der SS und Gestapo. Am Ende wurden die eigentlichen Opfer dieser Zwangsernennung zu ausgeschlossen und verhassten Mitglieder ihrer eigenen Gemeinschaft.

Chaim Rumkowski, Benjamin Murmelstein und Josef Weiss waren Beispiele dieser Opfer. Benjamin Murmelstein, der letzte Judenälteste Theresienstadts und auch der einzige, der sein Amt überlebte, wurde der Tod von seinen eigenen Religionsmitgliedern gewünscht. „Der Wiener Rabbiner Benjamin Murmelstein verdient es, von den Juden gehängt zu werden. Alle Insassen des Lagers Theresienstadt, die ich gesprochen habe, bestätigen dies.“ Diesen Satz schrieb der jüdische Religionswissenschaftler Gershom Scholem 1963 an die Philosophin Hannah Arendt.

Die Aufgaben der Judenältesten und der Judenräte bestand darin, für Nationalsozialisten die jüdische Bevölkerung ihres Ortes zu zählen, Wohnungen räumen zu lassen und ihnen zu übergeben, Zwangsarbeiter zur Verfügung zu stellen, Wertsachen zu konfiszieren, Tribute zu sammeln und auszuzahlen. Die Judenältesten wurden aber auch dazu gezwungen, Juden als Sklavenarbeiter an die Deutschen zu liefern und diesen bei der Deportation von Juden in die Konzentrationslager zu helfen. Wer sich weigerte, seine Aufgaben zu erfüllen, wurde selbst erschossen oder in Konzentrationslager deportiert und sofort durch andere Mitgefangene ersetzt. Judenältesten hatten also nur die Wahl zwischen der Annahme ihrer Aufgaben oder dem Tod. Das Perfide ist, diese Räte wurden von den Nationalsozialisten nur geschaffen, um die Judengemeinden Osteuropas auszuhungern und ihre Widerstandskräfte und -möglichkeiten systematisch zu schwächen. In diesen Gebieten wurden durch die Nationalsozialisten zudem alle staatlichen Dienstleistungen gestrichen und/oder verhindert, wodurch enorme Versorgungsprobleme in den jüdischen Gemeinden entstanden. Die Judenräte versuchten auch dagegen zu wirken und Ersatzinstitutionen zu bauen, organisierten Lebensmittelverteilung, bauten Krankenstationen, Altenheime, Waisenhäuser und Schulen. Mit den verbliebenen Möglichkeiten versuchten sie, den Zwangsmaßnahmen entgegenzuwirken und Zeit zu gewinnen, verzögerten die Umsetzung der Befehle und bemühten sich diese abzuschwächen, indem sie die Rivalitäten verschiedener Besatzungsstellen auszunutzen. Durch die Darstellung ihrer Arbeitskräfte als unentbehrlich für die Nationalsozialisten wollten sie ihre Versorgungslage verbessern und die Deutschen zur Rücknahme einiger Kollektivstrafen bewegen. Die Judenräte waren also verantwortlich für die Verwaltung ihrer eigenen Gemeinschaft, standen sozusagen zwischen der nationalsozialistischen Besatzung und den Gemeinden der Juden.

Leider waren ihre Versuche, die Situation der Juden zu verbessern, nur begrenzt erfolgreich, und auch wenn ihr Amt aufgezwungen war, so führte es teilweise doch zu persönlichen Vorteilsnahmen, Günstlingswirtschaft und Protektionismus der relativ Begüterten. Diese „Macht“ der Judenräte sorgte in den jüdischen Gemeinden für heftige Kritik und Ablehnung der Judenräte.

 

 

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