Von Anfang an dem Untergang geweiht? Überlegungen zum Titel der Oper

Von Gianluca Krieger (Heinrich-Böll-Gymnasium Ludwigshafen am Rhein, LK Deutsch)

 

Was ist Atlantis überhaupt und was hat der antike Mythos mit der Oper von Viktor Ulmann zu tun? Der antike Mythos Atlantis ist auf den griechischen Philosophen Platon zurückzuführen, der Atlantis in der Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. als Erster erwähnte. Er schrieb von einer großen Seemacht, die Teile Europas und Afrikas unterworfen hatte. Atlantis soll 9600 v. Chr. nach einem Angriff auf Athen durch eine Naturkatastrophe untergangen sein. Diesen Untergang deutete man damals als Strafe der Götter. Heutzutage allerdings sind sich die Althistoriker und Philologen weitgehend einig, dass Atlantis eine Erfindung Platons ist, die vielleicht von zeitgenössischen Vorbildern inspiriert ist. Einige Autoren hingegen sind überzeugt davon, dass Atlantis einen realen Hintergrund hat, und versuchen die angeblich versunkene Insel zu finden.

Was bringt einen KZ-Insassen dazu, eine Oper während des 2.Weltkrieges zu schreiben mit dem Titel „Kaiser von Atlantis“? Hat er mit der Oper vielleicht den Untergang des NS-Regimes vorhersagen wollen? Es lässt sich an vielen Stellen der Oper darauf schließen, dass er sich tatsächlich kritisch mit dem totalitären System der Nazis auseinandersetzt, da er an mehreren Stellen der Oper Anspielungen an das NS-Regime tätigt. Die wohl größte Parallele ist der König, der sein Volk grundlos in den Krieg schickt – so wie Hitler es tat. Natürlich lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob Peter Kien und Viktor Ullmann dies beabsichtigten, jedoch spricht viel dafür. Betrachtet man beispielsweise die Liedtexte Overalls und des Trommlers genauer, so fallen einem die Anspielungen an die Sprache Hitlers und Göbbels‘ auf. Hinzu kommt, dass die Oper gegen Ende des 2.Weltkrieges geschrieben wurde und es zu dem Zeitpunkt abzusehen war, dass der Krieg verloren war, was der Titel der Oper bereits vorwegnimmt.