Viktor Ullmann – Stationen seines Lebens

Von Leon Balde, Marie Kaletta und Veronik Gaide (Heinrich-Böll-Gymnasium, LK Deutsch)

Eine der letzten Gefangenen aus Theresienstadt, welche Viktor Ullmann persönlich gekannt und erlebt hat, ist Alice Herz-Sommer. Sie beschrieb in einem Interview im Jahre 2012 den Komponisten aus Theresienstadt als einen sehr ruhigen, höflichen und sehr wissensreichen Menschen. Dass er eher ruhig gewirkt haben soll, überrascht, wenn man seine Musik kennt. Gerade auch der „Kaiser von Atlantis“, der mit einem starken Tritonus-Akkord beginnt, ist weit von Schüchternheit entfernt.

Viktor Ullmann war ein österreichischer Komponist, Dirigent und Pianist. Er wurde am 1. Januar 1898 in Teschen geboren und wuchst in einer jüdischen Familie auf, die bereits vor seiner Geburt zum katholischen Glauben konvertierte.

Ab 1909 besuchte Viktor Ullmann nach dem Umzug mit seiner Mutter ein Gymnasium in Wien. Dort zeigte er schon früh seine Neigung und Begabung im musikalischen Bereich, welche er mit Freude auslebte. Nach seinem Schulabschluss in Wien meldete er sich freiwillig zum Militärdienst, bei dem er an der italienischen Front, im Brennpunkt des Krieges, eingesetzt wurde. Seinen Studienurlaub nutzte Viktor Ullmann für den Einstieg in ein Jura-Studium an der Wiener Universität und studierte 1918 zusätzlich bei Arnold Schönberg, einem der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, Formlehre, Kontrapunkt und Orchestrierung.

Im Mai 1919 brach er jedoch beide Studien ab und zog nach Prag, wo er sich weiter seiner musikalischen Begabung widmete. Bis 1927 war Viktor Ullmann Schüler von Alexander von Zemlinsky und wurde Kapellmeister am Prager „Neuen deutschen Theater.“ Zwischen 1923 und 1930 produzierte er weiterhin mit voller Leidenschaft und Hingabe erfolgreiche Kompositionen. In diese Zeit fällt das Genfer Musikfest, wo er mit einem Klavierzyklus auf sich aufmerksam machte.

1929 bis 1931 war er Kapellmeister und Bühnenmusik-Komponist in Zürich. Parallel dazu beschäftigte er sich mit der Anthroposophie. Schließlich ließ er seine musikalischen Tätigkeiten ruhen und zog nach Stuttgart, wo er von 1931 bis 1933 zwei Jahre in einer anthroposophischen Buchhandlung arbeitete. Sein ohnehin schon turbulentes Leben findet einen weiteren Höhepunkt im Jahre 1933. In diesem Jahr flüchtete er mit seiner Familie vor Gläubigern und den Nationalsozialisten nach Prag, wo er seine musikalische Ader als Musiklehrer und Journalist wiederaufleben ließ. Viktor Ullmann widmete sich immer mehr der Musik und nahm von 1935 bis 1937 wieder Kompositionsunterricht bei Alois Haba. Über die Jahre hinweg bewegte sich immer mehr von seinen erlernten und an musikalischen Vorbildern orientierten Kompositionstechniken weg und fand seinen eigenen Kompositionsstil.

Als Rückschlag für Viktor Ullmann ist sicherlich die Eroberung von Prag durch die Nationalsozialisten zu sehen. Diese hatte die Folge, dass Viktor Ullmann nach mehreren gelungenen Versuchen, von der Transportliste gestrichen zu werden, letztendlich doch im Jahre 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Offenbar war er aber bemüht, aus diesem Schicksal das Beste zu machen. Er galt als Motor des Kulturlebens der Stadt, organisierte Aufführungen und komponierte viel. Aus dieser Zeit ist von ihm der Satz überliefert „Theresienstadt war und ist für mich Schule der Form“.

Eines der bekanntesten Stücke, das er komponierte, ist „Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung“, es basiert auf einem Libretto von Peter Kien. Bedauerlicher Weise wurde dieses Stück nie in Theresienstadt aufgeführt. Das letzte Werk vor seiner Deportation nach Auschwitz war ein Melodram auf Rilkes „Cornet“. Dieses entstand Ende September im Jahre 1944. Am 16. Oktober 1944 wurde Viktor Ullmann mit einem der letzten Todeszüge von Theresienstadt nach Ausschwitz-Birkenau deportiert und dort vermutlich am 18. Oktober 1944 in den Gaskammern umgebracht.

Heutzutage ist der größte Teil seiner Werke verschollen.

 

Quellenverzeichnis

https://www.youtube.com/watch?v=tPD5PWzaUZg [zuletzt aufgerufen am 10.06.2018]

https://www.swr.de/swr2/stolpersteine/menschen/stolperstein-victor-ullmann/-/id=12117596/did=15366996/nid=12117596/s9z09k/index.html [zuletzt aufgerufen am 10.06.2018]

https://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Ullmann [zuletzt aufgerufen am 10.06.2018]

http://www.ullmann-lieder.com/de/bio/ [zuletzt aufgerufen am 10.06.2018]

 

 

[1] Ausschnitte des Interviews findet man unter https://www.youtube.com/watch?v=tPD5PWzaUZg

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