Theresienstadt

Von Nina Geib (Heinrich-Böll-Gymnasium Ludwigshafen am Rhein, LK Deutsch)

Die Festungsanlage Theresienstadt wurde ursprünglich nach den österreichischen Erbfolgekriegen erbaut und diente als befestigte Wehranlage für die österreichische Armee, weshalb sie sich besonders gut für die Nazis eignete, da ein Entkommen so gut wie unmöglich war; nur ein einziger Fluchtversuch ist von dort aus gelungen. Der Regent Joseph II. benannte die Festung nach seiner Mutter, Maria Theresia, Königin von Ungarn und Böhmen, Erzherzogin von Österreich und Regentin der Habsburgermonarchie von 1740 bis 1780.

Terezín liegt in der Tschechischen Republik, circa eine Stunde von Prag entfernt. Um den Aufbau Theresienstadts zu verstehen, muss man wissen, dass sich der Ort unterteilt in das Ghetto, in dem sich die Unterkunft der Juden befand, und die ehemaligen Festungsanlage, in der zur Zeit Joseph II. die Soldaten untergebracht wurden; während der NS-Zeit wurde dieser Teil als Gefängnis für „Staatsfeinde“ verwendet.

In dem Gefängnis wurden Inhaftierte unter sehr unmenschlichen Verhältnissen festgehalten und mussten beispielsweise in dreistöckigen Betten, die für 30 Personen ausgelegt waren, mit bis zu 90 Personen schlafen. Das Essen, das die Häftlinge bekamen, war oft verschimmelt oder verdorben. Häufig bekamen sie auch gar nichts zu essen und es fehlte an wichtigen Vitaminen, was schnell zu Mangelerscheinungen führte. Vor allem an Hygiene und Medizin fehlte es dort sehr, weshalb auch ein Großteil der Gefangenen starb, obwohl Theresienstadt nicht als Vernichtungslager konzipiert war. Viele Epidemien konnten sich auch über Ungeziefer, das sich überall aufhielt, schnell ausbreiten.  Selbst nach Ende des Krieges wurden noch zahlreiche Gefangene von Theresienstadt weiter festgehalten, da sie so schwer von Krankheiten befallen waren, die hoch ansteckend waren. Da es teilweise zu Überprüfungen der Lebensverhältnisse in Theresienstadt durch ausländische Besucher kam, wurden von der Gestapo Rasierräume eingerichtet mit einer Reihe von Porzellanwaschbecken, die aber noch heute so makellos sind, dass schnell klar wird, dass diese nur als Vorzeigeräume dienten und nie in Benutzung genommen wurden.

Der für die Oper „Der Kaiser von Atlantis“ wichtigere Teil Theresienstadts ist das Ghetto, in dem die Juden untergebracht wurden. Hier wurde die Illusion eines „normalen“ Lebens erzeugt, bei dem die Menschen sich nach der Arbeit durch Theateraufführungen, Kunst oder auch Sport in ihrer Freizeit beschäftigten konnten. Die Untergebrachten lebten in Wohngemeinschaften, in denen der Älteste die Aufgabe hatte, Bericht an die Nazis zu erstatten und die Gruppe ruhig zu halten. Diese Personen bekamen so in gewisser Weise eine höhere Stellung als die anderen Juden, welche sie aber gleichzeitig auch in eine große Distanz zu ihrer Gruppe brachte, weil sie zum Beispiel auch dazu verpflichtet waren, Mitglieder ihrer Gruppe an die Nazis auszuliefern, wenn es darum ging, Züge nach Auschwitz oder in andere Vernichtungslager zu schicken. Eine solche Entscheidung zu treffen stellt in Anbetracht dessen, dass in einer Gruppe zumeist die engsten Freunde waren, auch seelisch eine große Belastung dar.

Das absolut Perfide an Theresienstadt ist, dass die Nazis die Stadt als „Geschenk“ Hitlers an die Juden darstellten, die er extra für sie habe einrichten lassen, damit es ihnen gut gehe. Um nach Theresienstadt reisen zu dürfen, zahlten etliche Juden, vor allem Rentner, für die Theresienstadt als Kurort erklärt wurde, eine hohe Summe an Geld. Dies hatte wiederum zur Folge, dass der Altersdurchschnitt erst einmal ziemlich hoch lag, dann aber schon bald sank, da viele ältere Menschen schnell unter der Last der Zwangsarbeit starben bzw. so schnell krank wurden, dass sie Infektionen erlitten. Die Realität sah nämlich genau so aus, sobald die Deportierten das Lager betraten, waren sie für die Nazis nicht mehr als eine Nummer, die ihnen zugeteilt wurde.

In Terezín selbst wurden die Gefangenen nicht hingerichtet, die Stadt diente nur als Zwischenstation auf dem Weg in andere Konzentrationslager. Bereits ein Jahr, nachdem die ersten Juden in die Stadt gekommen waren, verließ der erste Zug in Richtung Riga Theresienstadt, wo, wegen dort herrschender Überfüllung, der gesamte Transport sofort bei der Ankunft ermordet wurde.

Seit diesem Tag herrschte ein ganz anderes Klima unter den Juden und die Häftlinge hatten an jedem Tag Angst vor weiteren Transporten.

Auf Grund der vielen Toten, die es auch ohne Vernichtungsräume durch Krankheiten gab, musste auch in Theresienstadt ein Krematorium erbaut werden, in dem man die Leichen verbrennen konnte. Für diese Aufgabe waren die Juden in Schichten eingeteilt; die Öfen brannten 24 Stunden am Tag durch. Einer der Arbeiter beschreibt in seinem Tagebuch den schrecklichsten Moment seines Lebens, als er vor sich die Leiche seines Zwillingsbruders sah, von dem er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst hatte, dass er tot war.

Die Reste der verbrannten Körper wurden in Urnen auf einem Friedhof rund um das Krematorium in Massengräbern vergraben, wobei sie dort nicht lange blieben, da die Deutschen die Urnen ausgraben ließen, als klar wurde, dass der Krieg verloren ist, und diese von Juden am angrenzenden Fluss, der Elbe, entleeren ließen, um die Beweise ihrer Taten zu vernichten.

 

Neue Termine: Dokumentation/Filmmitschnitt zum "Kaiser von Atlantis"

Filmdokumentation: Am 12.11. in der VHS Ludwigshafen | Details hier klicken
Live-Mitschnitt: Am 19.11. in der VHS Ludwigshafen | Details hier klicken


Der Verein Ludwigshafen setzt Stolpersteine e.V. ist in der Planung und Durchführung neuer Projekte. In Kürze wird diese Seite umfassend erneuert.

Bis dahin können Sie sich über den "Kaiser von Atlantis" informieren.

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