Der Weg zum Holocaust oder Vom Antisemitismus zur Shoa

 

Was die Nazis mit den Juden vorhatten – daraus haben sie nie einen Hehl gemacht. Das war in: „Mein Kampf“ (veröffentlicht 1925/26) nachzulesen. Das Buch wurde 1943 schon über 10 Millionen mal gedruckt. Es hätte jeder wissen müssen!

Wie konnte etwas,, das kaum jemand für möglich oder gar denkbar hielt, geschehen? Die Nazis verfolgten zwei parallele Strategien, die „legale“ und die der „Straße“.

 

Der „legale“ Weg

 

1933  

Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April sah vor, dass „nichtarische Beamte“ in den zwangsweisen Ruhestand versetzt werden sollten. Nichtarier seien insbesondere solche, die von jüdischen Eltern oder Großeltern abstammten.

1935

Die Gestapo ordnete die Einrichtung einer reichsweiten „Judenkartei“ an.

 

1935   Die Nürnberger Rassegesetze

Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre. Es verbot die Eheschließung sowie den außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Nichtjuden.

Durch das Reichsbürgergesetz wurden alle nichtarischen Bevölkerungsteile zu Menschen mit eingeschränkten Rechten degradiert. Wer als Jude zu gelten hatte, wurde in der ersten Durchführungsverordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 festgelegt.

 

1938

entzog ein Gesetz den Israelitischen Kultusgemeinden den Status einer „Körperschaft des öffentlichen Rechts“. Das degradierte sie zu Vereinen ohne öffentliche Rechtsansprüche, deren Gebäuden kein staatlicher Schutz mehr zustand.

Finanzämter, Polizei und Gestapo legten Listen vermögender Juden an und zwangen die Rabbiner per Vorladungen dazu, Namen und Adressen ihrer Gemeindemitglieder weiterzugeben.

Juden mussten seit dem 23. Juli 1938 zudem „Kennkarten“ bei sich tragen, seit dem 17. August gemäß der Namensänderungsverordnung die Zweitnamen „Israel“ (Männer) oder „Sara“ (Frauen) annehmen und seit dem 5. Oktober ihre Sonderausweise mit einem roten J (Judenstempel) abstempeln lassen.

Bis Oktober 1938 wurden die drei bisher größten deutschen KZs in Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen stark ausgebaut, so dass sie nunmehr zehntausende Gefangene aufnehmen konnten.

 

1938 Polenaktion

Deportation der „polnischen Juden“. Ca. 17.000 Juden wurden an die polnische Grenze gebracht und nach Polen „abgeschoben“.  Mit dieser ersten Massendeportation ein Zusammenspiel von Polizei, Reichsbahn, Finanzbehörden und Diplomatie war der Probelauf der späteren Judendeportationen.

 

1939 Der „Judenstern“

Das Kennzeichen wurde im September im besetzten Polen und am 1. September 1941 im Deutschen Reich, dann auch in weiteren von Deutschen besetzten Gebieten angeordnet.

 

1940 Deportation von Juden aus Südwestdeutschland

Mehr als 6.000 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarpfalz wurden nach Gurs in Frankreich deportiert.

 

1941 begannen die systematischen Massendeportationen deutscher Juden in den Osten.

 

1942 Wannseekonferenz

Ein Treffen von Vertretern der nationalsozialistischen Reichsregierung und der SS, um den begonnenen Holocaust an den Juden im Detail zu organisieren und die Zusammenarbeit der beteiligten Instanzen zu koordinieren.

 

Die „Straße“

 

Bereits am 1. April 1933 wurde ein Boykott gegen alle jüdischen Kaufleute, Ärzte und Rechtsanwälte organisiert. Uniformierte Parteimitglieder (SA und SS) standen vor deren Geschäftsräumen und wiesen jeden Kunden ab.

Alle Aktionen von SS und SA waren von einer sehr hohen Aggressionsbereitschaft und massiver körperlicher Gewalt getragen. Dieses Einschüchterungspotential erfasste auch Menschen, die keine Antisemiten waren und lies sie aus Angst passiv werden.

 

1938 Reichspogromnacht

Sie war eine vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich. Dabei wurden vom 7. bis 13. November 1938 etwa 400 Menschen ermordet oder in den Suizid getrieben. Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Ab dem 10. November wurden ungefähr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, wo Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben.

Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung und Vernichtung.

 

Diese schrittweise Eskalation von Diskriminierung zum Massenmord an den europäischen Juden, hatte auch auf den „Nicht-Nazi“ fatalen Einfluss. Anfänglich von ihm noch als Machtgehabe abgetan, erreichten die Nazis durch ihre enorme Brutalität und ihre „legalen“ Gesetzesänderungen auch in der breiten Bevölkerung eine leichtfertige Akzeptanz. Das Wahrnehmen des Verschwindens, erst jüdischer Geschäfte dann Menschen, begleitet durch eine Hetze, einer universellen Schuldzuschreibung für alle Probleme, durch gezielte Förderung von Neid und Missgunst und die Aussicht auf Bereicherung, bereitete den Boden für ein fatales Stillhalten.

Gleichzeitig gab es bekannte und stille Helfer, die sich ihre Menschlichkeit nicht einfach nehmen ließen und sich offen oder im Untergrund den Nazis entgegenstellten und Opfern aktiv halfen.

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