„Wer heute nicht küsst, wird nicht mehr küssen“ – Das kurze Leben von Peter Kien

Von Joshua Reichel (Heinrich-Böll-Gymnasium Ludwigshafen am Rhein, LK Deutsch)

„Wer heute nicht küsst, wird nicht mehr küssen“. Dieses Zitat aus einem der von Peter Kien geschriebenen Gedichte entstand während seines Aufenthaltes von 1941-1944 im Ghetto Theresienstadt und gibt eine Idee davon, was für ein Mensch der so jung von den Nazis ermordete Librettist der Oper „Der Kaiser von Atlantis“ war. Lebenshunger, Trauer, Liebe und Verzweiflung sprechen aus seinen Texten. In beeindruckenden sprachlichen Bildern hält er fest, wie sich die Gefangenschaft angefühlt hat: „Immer im Kreis, immer im Kreis/ laufen die Wölfe nach ihrer Weis./ Hinter den Mauern lockt das Feld/ hinter den Mauern leuchtet die Welt.“

Viel ist nicht bekannt aus dem Leben Peter Kiens, der nicht nur Gedichte, Erzählungen und das Libretto zum „Kaiser von Atlantis“ schrieb, sondern auch ein begabter Maler war, der mehr als hundert Ölgemälde und Zeichnungen schuf, auf denen er hauptsächlich Menschen darstellte.

Peter Kien, Sohn eines Textilfabrikanten, geboren am 1. Januar 1919 in Varnsdorf, gehörte zur deutschsprachigen jüdisch-tschechischen Bevölkerungsgruppe. Er besuchte das Realgymnasium in Brünn und studierte später an der Akademie der Künste in Prag, bis er als Jude vom Studium ausgeschlossen wurde. Daraufhin studierte Kien an einer privaten Grafikschule weiter und gab jüdischen Kindern Zeichenunterricht in der Weinbergsynagoge, wo er ebenfalls seine spätere Ehefrau Ilse Stránský kennenlernte, welche ihm für seine Zeichnungen Modell stand. Nach der Deportation durch die Nationalsozialisten nach Theresienstadt arbeitete er künstlerisch weiter. Im Ghetto lernte er auch Helga Wolfenstein kennen, mit der er viel Zeit verbrachte. Ihr übergab er auch einen Koffer mit Gedichten und Zeichnungen, die dadurch erhalten blieben. Am 16. Oktober 1944 wurde Peter Kien mit seiner Ehefrau und seinen Eltern nach Auschwitz deportiert. Kurz nach seiner Ankunft starb der junge Kien im Alter von 25 Jahren vor Ort an einer schweren Infektion.

Peter Kiens heute wohl bekanntestes Werk ist die Kammeroper „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung“, die in Zusammenarbeit mit Viktor Ullmann entstand.  Beide befanden sich damals als Häftlinge im Ghetto Theresienstadt und schufen das Werk in den Jahren 1943 und 1944. Uraufgeführt wurde die Oper aber erst am 16. Dezember 1975 in Amsterdam. Unter der musikalischen Leitung von Dennis Russell Davies und in einer Inszenierung von Ernst Poettgen fand am 4. Februar 1985 im Kammertheater des Staatstheaters Stuttgart unter dem Titel „Der Kaiser von Atlantis oder Der Tod dankt ab“ die deutsche Erstaufführung statt. Zehn Jahre später, am 23. Mai 1995, wurde das Werk erstmals in Theresienstadt gespielt, 51 Jahre nach den ersten Probeaufführungen.

 

Quellen:  

Peter Kien: Bilder und Gedichte 1933 – 1944. Mit einem Vorwort von Arnošt Lustig und Nachworten von Jürgen Serke und Jürgen Kaumkötter. Damm und Lindlar Verlag, Berlin 2008

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/k/kienp.htm [Seitenaufruf vom 18.02.2018]

http://www.dw.com/de/solingen-erinnert-an-den-k%C3%BCnstler-peter-kien/a-3312597 [Seitenaufruf vom 18.02.2018]

 

Cookies helfen, das Surferlebnis zu verbessern. Indem Sie diese Website benutzen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies gemäß unserer Datenschutzrichtlinien zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen