Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung

 

Kaiser von Atlantis-KostümentwurfInhalt:
Die Kammeroper erzählt die Geschichte eines Kaisers, der seine Armee in einen Krieg ohne Ende geführt hat. Der personifizierte Tod verweigert sich dem kriegssüchtigen Herrscher und streikt im gottlosen Reich Atlantis, lässt niemanden mehr sterben. Die Menschen, die einander nicht mehr töten können, werden von der Pest befallen. Das Leben ist ihnen eine Pein, und sterben können sie auch nicht. Ein Chaos bricht herein. Der Kaiser, der nicht mehr herrschen kann, bittet den Tod den Streik aufzugeben.
Doch für die Rückkehr in seine Pflichten verlangt der Tod den Kaiser als erstes Opfer.

 

 

Kaiser von Atlantis-KostümentwurfDie Entstehung der Kammeroper:
Dieses „Spiel in einem Akt“ entstand in den Jahren 1943/1944 im KZ Theresienstadt und wurde von Viktor Ullmann komponiert. Das Libretto schrieb Peter Kien. Beide waren Häftlinge in diesem KZ, das für die Nazis die Funktion als Vorzeigelager hatte. Sie studierten mit Häftlingen das Stück bis zur Generalprobe ein. Die Uraufführung wurde allerdings von der SS verboten. Der Komponist und der Librettist und die Mitwirkenden wurden in einem der letzten Transporte im frühen Winter 1944 nach Ausschwitz deportiert und fast alle in dem Vernichtungslager vergast. Einzig der Häftling, der den Tod spielte und sang, überlebte. Viktor Ullmann vertraute noch rechtzeitig seine Manuskripte zwei Mitgefangenen, Emil Utitz und Hans Günther Adler an, die überlebten. Die Opernpartitur wurde Mitte der 50er Jahre in Amsterdam gefunden. Allerdings gibt es keine „Ur-Fassung“ der Oper, da Ullmann und Kien ihr Werk selbst änderten und glätteten, da sie die Zensur der SS fürchteten.

 

Zur Aufführungsgeschichte des „Kaiser von Atlantis“:
Zuerst nahm sich der Brite Kerry Woodward der Oper in London an. In seiner Einrichtung wurde „Der Kaiser von Atlantis“ am 16. Dezember 1975 im Bellevue Theater Amsterdam mit dem Ensemble der Niederländischen Oper und dem Holländischen Kammerorchester uraufgeführt.
1985 erlebte Stuttgart in der Regie von Ernst Poettgen die deutsche Erstaufführung der Oper an der Württembergischen Staatsoper / Kammertheater.
Dass das Libretto von Peter Kein ein Kunstwerk für sich ist, erkannte auch George Tabori, der seine Inszenierung an der Wiener Kammeroper ganz auf den Text Kiens ausrichtete. Zitat aus einer Besprechung: Tabori inszeniert nicht die Oper, sondern führt KZ-Häftlinge vor, die sie mit letzter Kraft singen. Pausenlose 80 Minuten von schier unsäglicher intensität.“

Diese Oper passt nicht auf eine Bühne:
In Opernhäusern werden „Die Lustige Witwe“ und „Carmen“ gespielt. Diese „Nachbarschaft“ ist kein Ort für den „Kaiser von Atlantis“. Diese Kammeroper kann nicht als ästhetisches Theater inszeniert werden, da sie als letzter Aufschrei von Künstlern in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager entstanden ist und nach dem Ansehen durch die SS-Wachmannschaften alle Mitwirkenden zur „sofortigen Tötung freigegeben“ wurden.
Diese Oper braucht eine Location, die näher am brutalen Geschehen ist. Erinnerungskultur gilt es zu begründen – nicht aufzufrischen.

 

Aufführungsort der Premiere in Ludwigshafen am Rhein ist die Rhenus-Lagerhalle am Luitpoldhafen, die der unmenschlichen Entstehungsgeschichte das adäquate raue Umfeld gibt. Die Produktion findet in Kooperation mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, dem Pfalztheater Kaiserslautern und dem Opernstudio Kaiserslautern-Mannheim statt und wird im Dezember 2018 in Ludwigshafen, ab Januar 2019 in Mannheim und Kaiserslautern aufgeführt.

 

Building Memories - kaiser von Atlantis

Der Kaiser von Atlantis – Aufführungsort Rhenushalle | Foto: A.Berlin

Mit zahlreichen Kooperationspartnern wollen wir vor allem für junge Menschen einen anderen Zugang und eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Regime und den Folgen totalitärer Gewaltherrschaft ermöglichen. Da das Interesse an der NS-Zeit nach wie vor ungebrochen ist, kann das konkrete historische Beispiel genutzt werden, um Rassismus, Antisemitismus, Ignoranz und Gewaltherrschaft als Parameter einer Diktatur zu entlarven und um für Toleranz, Friedlichkeit und Miteinander in der heutigen demokratischen Gesellschaft zu werben.

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